Clara in Tauranga

Ich werde oft gefragt, warum ich mich für ein Auslandsjahr in Neuseeland entschieden habe. 

Ich könnte natürlich sagen: Ich möchte mein Englisch verbessern und die Kultur kennenlernen. Natürlich stimmt das auch, aber das war nicht das Einzige. Dieses Land am anderen Ende der Welt hat mich einfach verzaubert. Ich habe über Neuseeland gelesen und dachte sofort: Da will ich hin.

Und so ist es dann auch gekommen. Auf einmal stand ich mit meinem Gepäck am Flughafen und habe meine Familie und Freunde ein letztes Mal in den Arm genommen, bevor ich in ein Flugzeug zu einem Land mit 10 Stunden Zeitverschiebung geflogen bin. Der Abschied war hart und ich war sehr traurig, aber sobald ich im Flugzeug saß, war die Vorfreude größer.

–> Tschüss Hamburg!

Erst als ich nach drei Flügen und 12 Stunden Aufenthalt Auckland aus dem Fenster gesehen habe, habe ich realisiert, dass ich jetzt einfach in Neuseeland bin, am anderen Ende der Welt. Einerseits habe ich mich total gefreut, aber andererseits hatte ich riesige Angst. Neue Menschen, eine andere Sprache, ein anderes Zuhause – das ist alles so aufregend.

Ich war auf jeden Fall sehr froh, dass ich nach dem langen, anstrengenden Flug noch eine Nacht in Auckland hatte. Ich habe auf dem Flug und auch schon auf dem Vorbereitungsseminar Leute kennengelernt, die ich echt in mein Herz geschlossen habe. Es war sehr schön, die erste Nacht in Neuseeland mit ihnen zu verbringen. Wir hatten auch ein echt volles Programm, weswegen man gar nicht die Zeit hatte, an zu Hause zu denken.

–> Meine Reisegruppe

Als ich am nächsten Nachmittag in ein mini kleines Propellerflugzeug nach Tauranga gestiegen bin, war ich einfach unglaublich nervös. Der Flug war sehr kurz und ehe ich mich versah, stand ich auf dem Rollfeld und habe meiner Gastfamilie durch die Scheibe zugewunken.

Sie haben mich super herzlich empfangen und ich habe mich direkt willkommen gefühlt.

Ich hätte gedacht, dass die ersten Tage sehr schwer werden, aber meine Gastfamilie hat sich die ganze Zeit um mich gekümmert und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich habe zwei Gastschwestern, eine Neuseeländerin und eine Japanerin, deswegen ist bei mir zu Hause immer was los. Besonders mit meiner japanischen Gastschwester verstehe ich mich sehr gut. Sie ist einfach in der gleichen Situation wie ich und sie versteht am besten, wie ich mich fühle.

Wir unterhalten uns zwar nicht immer miteinander, aber wir verbringen jeden Abend Zeit zusammen, wodurch ich mich nie allein fühle.

Das Wochenende verging wie im Flug und schon stand mein erster Schultag am Otumoetai College vor der Tür. Wir haben einen Ausflug nach Mount Maunganui gemacht und dort eine Schnitzeljagd in kleinen Gruppen gemacht. Das war sehr hilfreich, um neue Leute und die Umgebung kennenzulernen.

Ein weiterer Teil unseres Ankommens am Otumoetai College war eine Maori-Begrüßung am nächsten Morgen. Diese war wirklich sehr authentisch und hat mir einen tollen ersten Einblick in die Kultur gegeben. Direkt danach stand dann auch schon meine erste richtige Unterrichtsstunde an. Dies war eine Klasse, in der man etwas über die Maori-Kultur lernt. Ich hatte gar kein Vorwissen und wurde einfach ins kalte Wasser geworfen, aber in dem Kurs waren viele offene Menschen, die mir sofort geholfen haben. Nach ein paar Unterrichtsstunden war dann mein erster Schultag vorbei und ich bin nach Hause gelaufen. Dort habe ich sofort meine Eltern angerufen, weil ich mit meinen Fächern überhaupt nicht zufrieden war. Diese haben mich beruhigt und mich ermutigt, am nächsten Morgen ins International Office zu gehen und meine Fächer zu ändern. Genau das habe ich dann auch gemacht und es hat sich wirklich gelohnt. Ich habe alle Fächer bekommen, die ich wollte, und bin total zufrieden.

Daraus habe ich gelernt, dass es wichtig ist, mit allen Problemen und Fragen ins International Office zu gehen. Mir wurde dort bisher immer geholfen und danach ging es mir immer besser.

Ich habe die Fächer Englisch, Mathe, Spanisch, Sport, Eventmanagement und Hospitality gewählt. Meine Lieblingsfächer sind Sport und Hospitality. In Hospitality lernen wir, wie in einem Restaurant gekocht wird, und kochen das Essen dann. Im Sportunterricht haben wir bisher Volleyball und Fußball gemacht. Wir werden aber auch noch Sportarten machen, die eher typisch neuseeländisch sind.

Die Schulwochen danach spielten sich eigentlich relativ gleich ab. Die Schultage werden immer entspannter und einfacher. Wenn ich eines in diesen paar Wochen gelernt habe, dann, dass Kiwis super offene, hilfsbereite, nette und lustige Menschen sind. Jeder kommt auf dich zu und du wirst sofort aufgenommen. Eine Sache, die man auf jeden Fall merkt, ist, dass die Tage hier viel anstrengender sind als in Deutschland und man abends viel müder ist. Das liegt aber nicht daran, dass die Schultage anstrengender oder länger sind, sondern daran, dass es sehr anstrengend ist, den ganzen Tag eine andere Sprache zu sprechen. Doch auch das wird jeden Tag besser und ich würde sagen, dass sich mein Englisch allein nach diesem einen Monat schon verbessert hat.

Ich verstehe mich auch von Tag zu Tag besser mit meiner Gastfamilie. Obwohl wir uns von Anfang an gut verstanden haben, fühlt es sich jeden Tag mehr wie ein zweites Zuhause an.

Das Wichtigste, was man in einer Gastfamilie beachten muss, ist, dass man immer alles klar kommuniziert. Das hilft, Missverständnissen aus dem Weg zu gehen.

Was einem schon am ersten Tag auffallen wird, ist, dass die Neuseeländer sehr spontane und entspannte Menschen sind. Zwei Unterschiede zu Deutschland, die ich sofort gemerkt habe, sind, dass die Neuseeländer immer vorm Fernseher essen, was sehr entspannt sein kann, da man beim Essen nicht die ganze Zeit reden muss. Der zweite Unterschied ist, dass man in Neuseeland sehr früh schlafen geht. Man muss unter der Woche meistens um 18 Uhr zu Hause sein und wenn man das nicht schafft, muss man das sehr klar kommunizieren. Es ist sehr wichtig, seiner Gastfamilie immer zu sagen, wann man zu Hause ist, damit sie sich keine Sorgen macht.

Das Otumoetai College:

Ich habe mich für das Otumoetai College entschieden und ich denke, dass es genau die richtige Wahl war.

Otumoetai ist ein Stadtteil von Tauranga. Das College liegt mitten in diesem Stadtteil. In der Nähe ist ein großer Supermarkt, wo ich nach der Schule oft hingehe, wenn ich dringend etwas brauche. Die meisten Schüler wohnen jedoch nicht in Otumoetai, sondern in den umliegenden Stadtteilen. Ich wohne zum Beispiel in Brookfield.

Das Otumoetai College ist eine großartige Schule mit netten Lehrern und offenen Schülern. Besonders willkommen fühlt man sich durch das International Office. Es wird von sehr liebevollen und verständnisvollen Menschen geführt, die einem immer helfen, wenn man ein Problem hat.

Auch im Sport ist das Otumoetai College sehr engagiert. Sie bieten viele verschiedene Sportarten an. Ich spiele zum Beispiel im ersten Hockeyteam des Otumoetai Colleges und wir haben uns letzte Woche für das Finale qualifiziert.

Das Gelände der Schule ist sehr groß, aber man findet sich schnell zurecht. Für die Pausen gibt es viele verschiedene Sitzplätze und es gibt sogar verschiedene Pausenangebote.

Noch eine Sache, die mir am Otumoetai College sehr gefällt, ist, dass es nicht so viele internationale Schüler gibt. Das ist sehr entspannt und gibt einem die Möglichkeit, schnell Kiwi-Freunde zu finden.

Im Großen und Ganzen kann ich nach einem Monat Neuseeland sagen, dass es ein ganz tolles Land mit wunderbaren Menschen ist. Und auch, wenn es am Anfang schwer ist, ist es eine einzigartige Erfahrung.

Clara – seit Juli 2026 in Tauranga